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Claudia

Hans Platzgumer: Am Rand

Gerold Ebner ist früh am Morgen aufgestanden, hat die Wohnung aufgeräumt, sich bereit gemacht für den Aufstieg auf den Berg. Dort sitzt er nun in der beginnenden Morgendämmerung, dick bekleidet, denn es ist Oktober, und beschreibt die 100 Blätter, die er mitgebracht hat, mit seiner Lebensgeschichte. Er sitzt am Rand des Gipfels und blickt – auch aus der Distanz, die sich durch den Blick von oben ergibt – auf sein Leben. Er will aufschreiben, wie es gekommen ist, dass er nun hier oben sitzt. Am Abend, wenn er die 100 Blätter mit seiner Lebensgeschichte (seiner Lebensbeichte?) gefüllt hat, will er den einen Schritt tun vom Rand in den Abgrund.

PlatzgumerGerold Ebner steht aber nicht erst heute am Rand, er steht schon seit seiner Geburt am Rand. Seine Mutter ist eine Prostituierte, die weggelaufen ist aus dem sehr patriarchal geführten elterlichen Haus, sexuelle Ausbeutung hat dort wahrscheinlich auch stattgefunden, in Glurns (Südtirol). Sie ist nach Bludenz (Vorarlberg) gelangt, arbeitet seit Gerolds Geburt im Kloster als Altenpflegerin, hat eine Wohnung in der Südtirolersiedlung bezogen. So wie ihr Land schwankend war in seiner Zugehörigkeit, mal österreich-ungarisch, im nächsten Moment italienisch, aber mit einer großen Sehnsucht, dass Hitler sie „Heim ins Reich“ hole, so unterstellte man auch den Südtirolerinnen Wankelmut: „Mal zu den Faschisten, mal zu den Nazis, mal zu den Widerstandskämpfern. Nicht deutsch und nicht nichtdeutsch, waren sie, mal hier, mal da.“ Und so wird Gerold gleich zweifach ausgegrenzt aus der Gemeinschaft in der Schule: als Sohn einer Prostituierten – dass die nun bei den Nonnen arbeitete, zählt nicht –  und als Südtiroler Junge, erkennbar an der Adresse und am Dialekt: „Überall wurde Ortsfremden zu verstehen gegeben, dass sie anders waren.“

Gerold findet zwei Freunde in der Siedlung, Guido und Peter, sie behaupten sich gegen die rivalisierenden anderen Jungengruppen, die Kinder der ausgewanderten Jugoslawen, die auch in der Südtirolersiedlung wohnen. Die drei gehen zum Karate-Unterricht, um sich nicht mehr verprügeln lassen zu müssen, sie lernen den Kampfschrei „Kiai“, die strengen Regeln und werden immer wieder an ihre „individuelle Nichtigkeit“ erinnert. Nachts klettern sie auf den abgesperrten Baustellen herum, suchen den besonderen Kick – oder die Grenzerfahrung – bei halsbrecherischen Kletterübungen auf Gerüsten und Kranen. Alle drei werden später, nach der Schule, selbst Bauarbeiter, Guido und Peter sterben durch Unfälle auf ihren Baustellen.

Der Tod ist überhaupt ein mächtiges Motiv in Gerolds Bericht. Schon früh lernt er ihn kennen und findet ihn faszinierend. Der ältere, alleinlebende Nachbar, Herr Gufler, wird nach einem Jahr tot in seiner Wohnung gefunden, mumifiziert fast, der Fernseher läuft noch immer. Gerold, kaum sieben Jahre alt, gelangt hinter seiner Mutter in die Wohnung und betrachtet den Toten genau. Die Mutter muss ihn „mit Gewalt aus der Guflergruft hinausschieben.“

Und dann taucht der Großvater wieder auf, besucht die Tochter, als ob nichts gewesen wäre und fordert den Respekt für sich, den er für angemessen hält, er, den die Kollegen im Bergbau „Monarch“ genannt haben.  Er arbeitet als Mineur im Berg- und Tunnelbau, kommt zunächst auch nur zu Besuch, aber als er wegen der Staublunge nicht mehr arbeiten kann, als er pflegbedürftig wird, da zieht er wie selbstverständlich zu seiner Tochter und in Gerolds Zimmer. So krank er auch ist, seine Tochter kann er immer noch gut herumkommandieren und sie setzt dem nichts entgegen.

Als Gerold einmal seine Mutter besuchen will, aber nur den Großvater antrifft, der schlafend und röchelnd in seinem Bett liegt, weiß Gerold genau, was zu tun ist: „Ich fühlte, wie dieser Moment mir ganz alleine gehörte. Der Alte war mir völlig ausgeliefert.“ Er drückt dem Großvater ein Handtuch auf das Gesicht, und drückt auch weiter zu, als der Großvater erwacht und sich zu wehren beginnt. Mit Genugtuung beobachtet er den Todeskampf des Großvaters: „Der Alte würde keine Chance haben, sich mir zu entreißen. Ich sah, wie die Todesangst seinen Körper durchraste, und spürte meine Kontrolle über ihn, meine Dominanz.“ Nach dem Tod räumt er auf, vernichtet alle Spuren, die darauf hinweisen könnten, dass der Großvater nicht eines natürlichen Todes gestorben sei. Der Mutter, die nie eingestehen würde, wie sehr sie erleichtert ist vom Tod des Vaters, fühlt Gerold sich eng verbunden durch das stille und stumme Einverständnis, das er aus ihrem Verhalten meint ablesen zu können. Und er meint, dass seine Schuld ihr gegenüber nun abgetragen sei.

Gerold wird noch einmal töten, wird eine Art Sterbehilfe ausführen für seinen Freund Guido, der nach einem grässlichen Unfall mit Säure auf der Baustelle nicht mehr leben möchte. Beide Taten nehmen wir ihm zunächst ab, verurteilen ihn nicht, verdammen ihn nicht. Denn wir haben ihn kennengelernt als durchaus empathischen, freundlichen und nachdenklichen Menschen. Und trotzdem bleibt zu fragen, ob Gerold seine Umgebung immer richtig zu deuten weiß. Gerade beim Tod des Großvaters bleiben die Motive – und auch die vermeintlich erkennbare spätere Erleichterung der Mutter – doch recht undeutlich, weil Gerold nie erzählt, wie der Großvater seiner Mutter nun zusetzt. Gerold scheint sich als Retter seiner Mutter aufgerufen zu fühlen, ob es diesen Wunsch der Mutter überhaupt gibt, ob dies nicht eine Fehlinterpretation ist, bleibt offen. Und auch die Tötung des Freundes, auch hier findet kaum eine Kommunikation statt, denn die Säure hat Guido ja den Rachen verätzt, bleibt vage, wird ganz aus Gerolds Sicht erzählt, der offensichtlich die Zeichen deutet, sie den Lesern aber nicht nahebringt.

So steht der Leser mit dem moralischen Dilemma alleine, denn er findet diesen zweifachen Mörder doch auch sympathisch, respektiert, auch wegen seiner schwierigen Biografie. Erklärungen gibt es selten. Das macht – zum einen – durchaus den Reiz der Geschichte aus, der Leser ist gefordert, muss selbst Fragen stellen, Argumente abwägen. Und in dieser Art ist Gerolds Beichte insgesamt angelegt: er erzählt, er reflektiert auch, aber er erklärt sich nicht, verteidigt sich nicht.

Und dann gibt es noch den Elena-Part der Geschichte. Gerold verliebt sich in Elena, die auch eine Einzelgängerin ist. Er meint, er habe sie genau im richtigen Moment kennengelernt, als sie sich für eine kurze Zeit der Welt geöffnet habe und ihn an sich herangelassen habe. Elena studiert und übersetzt dann von zu Hause. Die beiden scheinen sich fern zu halten von zu vielen Menschen, scheinen wenig soziale Kontakte zu pflegen, scheinen ganz zufrieden in ihren recht alltäglichen Leben zu sein. Zwar beschreibt Gerold Elena als einen Menschen, dem die Gewöhnung zuwider ist – ein Grund, warum sie nicht heiraten -, viele ungewöhnliche Ereignisse aus ihrem Leben berichtet er nicht. Trotzdem scheint Elena die treibende Kraft in der Beziehung zu sein. Denn als sie sich ein Kind wünscht, da akzeptiert Gerold den Wunsch. Und hofft nur heimlich, dass Elena möglichst nicht so schnell schwanger werde, damit er noch lange Zeit alleine mit ihr sein kann. Tatsächlich klappt es nicht mit einer Schwangerschaft, und als dann in einem Motel in Frankreich nachts ein kleines Mädchen weinend auf der Treppe sitzt, da ist Elenas Plan schnell gefasst.

Und so ist – zum anderen – die Erzählkonstruktion insgesamt nicht überzeugend. Zu viele Aspekte aus Gerolds Leben bleiben im Dunkeln: Wie es zu der Entscheidung kam, Bauarbeiter zu werden, beispielsweise, warum er nicht andere Wege eingeschlagen hat. Ob ihm andere Wege durch gesellschaftliche Ausgrenzung versagt blieben oder ob er es selbst gewesen ist, der so entscheiden hat?  Es ist schon befremdlich, Gerolds Lebensgeschichte zu lesen, seiner Geschichte mit den – durchaus kunstvollen – Vor- und Rückblenden zu folgen, immer wieder zur Rahmenerzählung auf dem Berg zurückzukommen, einer Geschichte also, die durchaus ihren dramaturgischen Reiz hat, und dabei einen Bauarbeiter vor Augen zu haben, der bisher noch gar nichts zu Ende geschrieben hat, nicht eine kürzere Erzählung.

Und wenn schon nicht die zwei Tötungen befremdlich sind, dann doch die Geschichte um das gefundene Kind, das Gerold und Elena kurzerhand entführen und als eigenes annehmen. Kann wirklich eine problematische Kindheit erklären, dass da einer immer wieder selbst Dinge entscheidet, die nach den Konventionen unserer Gesellschaft aus gutem Grund an anderer Stelle entscheiden werden sollten? Kann es wirklich sein, dass nie andere Lösungsverfahren gesucht werden, als die, die Gerold anwendet oder zu denen er sich überreden lässt? Kann jemand so naiv sein, zu meinen, mit dem Findelkind nun unbeschwert Familie spielen zu können? Kann das alles als Folge der gesellschaftlichen Ausgrenzung oder der Karate-Doktrin von der „individuellen Nichtigkeit“ erklärbar gemacht werden?

Auch wenn die Themen des Romans, nämlich Liebe, Freundschaft und Tod, aus verschiedenen Perspektiven umkreist werden, so ist Gerolds Geschichte insgesamt doch zu deutlich konstruiert, als dass der Leser sich in sein Leben einfinden und einfühlen kann. So ist es schon eine Überraschung, diesen Titel auf der Longlist zu finden und es ist nachvollziehbar, dass er nicht auch für die Shortlist nominiert wurde.

Hans Platzgumer (2016): Am Rand, Wien, Paul Zsolnay Verlag

Besprechung von: Claudia Pütz, Betreiberin von Das graue Sofa

 

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Bodo Kirchhoff. Widerfahrnis

Widerfahrnis – das ist das, was jemand erfährt oder erlebt, das, was jemandem zustößt, was ihm begegnet, was über ihn hereinbricht. Julius Reither stößt so einiges zu in diesen paar Tagen im April und er lässt auch zu, was ihm widerfährt, lässt sich mitreißen und erlebt Dinge, mit denen er eigentlich schon abgeschlossen hatte. Ganz spontan und ohne großen Plan reist er in den Süden, reist vom späten Winter in Bayern mit Schnee und Eis in den frühen Sommer Italiens, mit Sonne und Wärme, dem besonderen Licht des Südens und den Blick auf das Meer. Je mehr dabei die Sonne scheint und er die Wärme und das Licht genießt, umso mehr scheinen auch seine eingefrorenen Gefühle aufzutauen. Und neben dem Gefühlsabenteuer gibt es auch noch das ein oder andere Abenteuer zu bestehen bei diesem Road-Trip, denn immerhin geht die Reise ja genau dorthin, wo die Flüchtlinge landen, die aus Afrika über das Mittelmeer kommen.

KirchhoffFast könnte man tatsächlich meinen, dass Reither so ziemlich mit allem in seinem Leben abgeschlossen hat: seinen Kleinstverlag samt Miniaturbuchhandlung hat er liquidiert, hat sich aus Frankfurt zurückgezogen in ein kleines Appartement im Weissachtal, ganz im Süden Bayerns, kurz vor der Grenze zu Österreich. Hat im letzten Jahr zum letzten Mal eine Reise nach Italien unternommen und nun sein Auto verkauft, nicht, weil es ihm nicht mehr gefallen hätte dort, vielmehr, weil „ja alles Schöne irgendwann zum letzten Mal (geschieht) (…) Und besser, man bestimmt diesen Zeitpunkt selbst.“ An diesem Abend, als ihm das erste unerwartete Ereignis zustößt, öffnet er die letzte Flasche des Weines, den er im letzten Jahr gekauft hat in Apulien.

Und genau an diesem Abend klopft, nach langem Überlegen, Leonie Palm an seine Apartmenttür. Er ist ein bisschen knurrig, will sie loswerden, doch Leonie lässt sich so schnell nicht beirren. Bald rauchen sie zusammen eine Zigarette, bald trinken sie ein Glas Wein aus der letzten Flasche des Vorrates, bald dreht sich das Gespräch um weit persönlichere Themen als den Lesezirkel, zu dem Leonie ihn doch einladen wollte.

Sie reden über ein Buch nämlich, dass Reither am Nachmittag aus der Hausbibliothek mitgenommen hat, ein Buch, das zwar einen Autorinnennamen trägt, aber keinen Titel und das, das sieht Reither sofort, im Selbstverlag erschienen ist. Leonie Palm sieht es auf dem Tisch liegen, hat schon gesehen, dass er es nachmittags mitgenommen hat, und beginnt nun draus vorzulesen. Sie liest von einer jungen Frau, die sich eines Abends, aus Liebeskummer wohl und stark alkoholisiert, an einen Waldsee legt – und erfriert. Und sie liest von der Mutter, die am Tag nach der Beerdigung sich an dieselbe Stelle des Sees legt, um nachzuempfinden, was die letzten Eindrücke der Tochter gewesen sind.

Und über Reither sprechen sie, über seine verflossene Liebe Christine, die ihn verlassen hat vor vielen Jahren, ausgerechnet bei einem Italienurlaub. Reither erzählt auch unumwunden den Grund des Sitzenlassens. Christine nämlich war schwanger und beide waren sich sicher, dass Kind nicht bekommen zu wollen, sie entschieden sich „mit zwei zu null Stimmen, das Kind konnte ja nicht mitentscheiden.“ Aber Christine ging, „Hals über Kopf“, erzählt Reither. „Sie fand es ungeheuerlich, dass wir beide das werdende Leben in ihrem Bauch einfach überstimmt haben.“

Zwei über 60-Jährige treffen sich hier also, mit der einen und anderen Schramme auf der Seele. Leonie Palm ist die aktivere, sie schlägt im Laufe des Abends vor, doch eine Spritztour zu unternehmen und den Sonnenaufgang am Achensee zu betrachten. Und boxt ihn dabei, mit der Faust auf die Brust. Am Achensee sind sie mitten in der Nacht, für den Sonnenaufgang, müssten sie viel zu lang im Auto sitzen und warten, bei Schnee und Eis draußen, und so ergibt es sich, ganz natürlich quasi, dass sie weiterfahren, über den Brenner nach Verona und dann immer weiter in den Süden nach Sizilien. Das Licht wird heller, die Temperatur steigt, die Gespräche umkreisen die Erlebnisse des Lebens, die Gedanken und Reflektionen Reithers in den Zeiten des schweigenden Fahrens kreisen auch darum.

Und diese Reflektionen verraten Reithers Lebensthema. Er ist Lektor, streicht – auch heute noch – jedes Wort aus seinen Gedanken, Überlegungen, Sprechakten, das nur im Entferntesten etwas zu tun haben könnte mit Gefühlen. Leonie Palms Buch so erklärt er, hätte er ihr sofort zurückgeschickt, einen freundlichen Dreizeiler dazu geschrieben, erklärt, das Thema passe nicht ins Programm des Verlags. Das Lieben selbst hat er sich versagt, hat die Liebe höchstens in der Literatur zugelassen, hat aber alle Wörter aus den Texten eliminiert, die „weich“, „faulig“, und „süß“ waren, bis nur noch Sätze übrigwaren „wie gemeißelt, ohne die Klebrigkeiten, die Widerhaken der Liebe, all ihr Unsägliches.“

Wer so durchs Leben geht, wer schon die – eigene – Sprache lektoriert und korrigiert, wer das Leben und das Lieben so kontrolliert, wer sich selbst ständig beobachtet, seine Erlebnisse nur wahrnimmt, als seien sie aus zweiter Hand – hier erinnert Reither als Frischs Walter Faber, der sich das Leben mit der Kamera vom Leib hält -, der wird auch das kleine Glück, dass ihm auf einmal auf Sizilien wiederfährt, nicht lange erhalten können – und vielleicht liegt es auch gar nicht nur an ihm selbst, dass das so ist, denn Leonie Palms Schrammen und Verletzungen befeuern die Paar-Dynamik auch noch.

So wird sein Road-Trip nach Sizilien zu einer Geschichte, und das erzählt schon der erste Satz der Novelle, die ihm „noch immer das Herz zerreißt“. Hier deutet sich, ganz am Anfang schon und leicht zu überlesen, eine Veränderung an, eine Entwicklung. Die mag mit dem Trip nach Sizilien zu tun haben, mit dem Licht und der Wärme, beides ja geeignet, die inneren Vereisungen zu überwinden. Sie mag zu tun haben mit den Gesprächen mit Leonie, mit seinen Lebensbetrachtungen, mit dem Erlebnis des Lebens als Familie, das widerfährt ihnen nämlich, zumindest für einen Tag. Sie mag aber auch damit zu tun haben, dass er, als er Leonie verliert, Flüchtlinge trifft aus Afrika, die den beschwerlichen und gefährlichen Weg über das Mittelmeer geschafft haben und ihm nun helfen, ohne Fragen zu stellen, einfach, weil er Hilfe braucht. In dieser Familie, Vater, Mutter und ein Säugling, eine heilige Familie fasst, sieht er, wie es auch sein kann, wenn Menschen sich auf einander verlassen und vertrauen und sich gemeinsam auf solch einen Weg machen, der auch mit dem Tod enden kann. Wieder ein Widerfahrnis.

Bodo Kirchhoff hat eine ganz überzeugende Novelle geschrieben, einen Text, der völlig zu Recht auf der Shortlist zum Buchpreis steht und dem durchaus noch mehr zuzutrauen ist. Diese Novelle ist eine der Bücher in dieser insgesamt schwachen Longlist, die heraussticht durch eine unaufgeregte Geschichte, einer Handlung, die nicht konstruiert erscheint, mit einer Sprache, die genau zu dem Protagonisten Reither, dem Lektor, passt, und einer Reihe von Motiven, die immer wieder aufgegriffen werden, die wie rote Fäden die Sizilien-Reise begleiten. Und auch der Blick auf die aktuelle Situation, auf die Flüchtlinge, die sich den beiden Reisenden entgegen nach Norden bewegen, ist kein bisschen aufgesetzt, sondern zeigt das, was Italienreisende all überall an den Autobahnen und Bahnhöfen beobachten können.

Kirchoffs Novelle ist, und ich habe große Kritik an den vielen Titeln auf der Longlist geübt, die sich damit beschäftigten, auch eine Sinnsuche. Noch dazu der Sinnsuche zweier älterer Menschen, die noch einmal schauen, ob sie nicht doch möglich sind, das Glück und die Liebe. Das empfinden Leser manchmal ja durchaus als Zumutung. Diese Sinnsuche aber ist literarisch überzeugend erzählt, es ist eine Suche, die zeitlos ist, es ist eine Geschichte, die wohl auch noch in zehn Jahren aktuell und zeitgemäß ist, wenn man „Widerfahrnis“ wieder zur Hand nimmt und Leonie Palm Julius Reither die Faust auf die Brust drückt.

Reither fragt auch, welchen Titel sie sich für ihr – namenloses – Buch vorstellen könnte. Leonie Palm überlegt, dann aber ist klar: „Widerfahrnis“ würde sie es nun nennen.

Bodo Kirchhoff (2016). Widerfahrnis, Frankfurt am Main, Frankfurter Verlagsgesellschaft

Besprechung von: Claudia Pütz, Betreiberin von Das graue Sofa

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Von der Suche nach dem Sinn des Lebens – Eine Polemik zum Deutschen Buchpreis 2016

Wenn wir in ein paar Jahren, in fünf vielleicht oder in zehn, zurückblicken auf die Romane, die für die Long- und Shortlist des Deutschen Buchpreises 2016 nominiert wurden, werden sie uns dann erzählen, wie es sich angefühlt hat, unser Leben im Jahr 2016? Werden wir uns erinnern, was uns umgetrieben hat, welche Themen im öffentlichen Diskurs eine bedeutende Rolle spielten oder beim Treffen mit Freunden die Gemüter erhitzten, was uns erfreute, was uns besorgte? – Nein, lässt sich da wohl jetzt schon antworten, werden wird nicht.

ThemenEs wird ja jedes Jahr viel genörgelt, wenn die Longlist veröffentlicht wird, dann wieder, wenn die Shortlist feststeht. Viele Leser und Experten vermissen „ihren“ Titel, der doch ganz unbedingt hätte nominiert werden müssen, das eigene Herzens- oder Seelenbuch, oder auch den Roman mit dem beeindruckendsten Plot, mit der ganz besonderen Sprache, das allerbeste Debüt dieses Jahres oder das aller-, allerbeste Alterswerk, den Roman des Autors, der es doch schon lange verdient hätte, den experimentellsten Roman oder auch den konventionellsten, den Roman, der wirklich etwas zu erzählen hat oder den, der Buchhändler und Verlag am meisten erfreut usw. usw.

Und wie sieht es aus mit den Themen, die bei den diesjährig Nominierten eine Rolle spielen? Es stimmt schon, dass es mindestens ein – neudeutsch sogenannter – Coming-of-Age-Roman auf die Longlist geschafft hat, es gibt dort eine Dystopie und ein irritierend-experimentelles Debüt, den Roman, der die 1980er Jahre führt, den, der uns in die Abgründe des Fan-Seins schauen lässt und den, der uns – zum Ausgleich quasi – die Forschungsgeschichte zu Dante aufarbeitet.

Und dann gibt es jede Menge Romane, die um die Sinnsuche kreisen. Da sind Frauen und Männer, meistens haben sie die Lebensmitte schon überschritten, die auf ihr Leben zurückblicken und sich die Frage aller Fragen stellen; da sind die Männer, die aus ihrem Leben aussteigen, da sind die, die auf Reisen gehen, um sich selbst näher zu kommen, manchmal mit einem Fragenkatalog in der Tasche, manchmal aus einer spontanen Idee heraus. Alle wuseln und reisen herum, hin und her, die Mosel herauf, Italien herunter, manche kehren von langen Reisen zurück, manche reisen in die Berge, manche steigen auf Berge, manche reisen mit einem Koffer ungewöhnlichen Inhalts, manche reisen ganz ohne Gepäck, und sie suchen und suchen – nach dem Glück, der verpassten Liebe, dem Hund: die meisten Protagonisten suchen wohl vor allem sich selbst.

Der Jahrgang 2016 also wird als Jahrgang der Sinnsucher in die Buchpreisgeschichte eingehen. Das ist es also, so werden wir in fünf oder zehn Jahren erinnern, wenn wir auf die Titel schauen, was uns damals bewegt hat, die Suche nach uns selbst und nach dem Sinn. Aber dann wird uns – hoffentlich – vage in Erinnerung kommen, dass das ja nicht alles gewesen ist in diesem Jahr. Und wir werden uns fragen, wo die Romane waren, die sich damit beschäftigt haben, was uns hier in Europa gerade so um die Ohren fliegt.

Wo sind sie, die Romane, die sich nicht nur mit dieser Innerlichkeit des Individuums beschäftigen, als gebe es sonst nichts, worüber ein Nachdenken lohnt? Wo sind die Romane, die, seismografisch fast, aufnehmen, was in unserem Land gerade erodiert? Die uns Figuren schenken, die über das Auswandern, das Fliehen erzählen und die Schwierigkeiten des Ankommens, die erzählen über die Begegnungen zwischen dem Neuen und dem Alten, dem Bekannten und dem Befremdlichen? Wo die Romane, die ihre Protagonisten in die Arbeitswelten schicken und erzählen von den Mühen der Personalentwicklung und der Zielvereinbarungsgespräche, von Kostendruck und Effizienz und (Selbst-)Optimierung, vom neuen Dienen und von den Schwierigkeiten des Lebens unter diesen Bedingungen? Wo die Romane, die unter den Bedingungen der sich dramatisch verändernden politischen Verhältnisse spielen, wo die Romane, die von Menschen erzählen, die ins Mühlrad der Digitalisierung gelangen?

Nun mag das eine oder andere Thema zu aktuell sein, um (schon) fiktional bearbeitet werden zu können. Für einen Brexit-Roman oder einen AfD-Roman ist es sicher noch zu früh. Die ökonomischen Verwerfungen aber sind schon länger beobachtbar, darüber schreibt aber kaum ein Autor.

Wenigstens hat es ein Roman auf die Longlist und auch die Shortlist geschafft, der die Erlebnisse von Flucht und den Schwierigkeiten des Ankommens erzählt, einer Flucht aber, die Jahrzehnte zurückliegt und bei der diejenigen, die geflohen sind, die „Guten“ waren, galten sie doch als lebendige Beweise für die Überlegenheit des westlichen Lebens im Wettstreit mit der kommunistischen Lebensweise in Osteuropa. Wo sind aber die Romane, liebe Jury, die von den „neuen“ Fluchten erzählen? Die gibt es ja, die sind im Frühjahr erschienen, die meisten von ihnen Debüts, aber das ist ja kein abwertendes Kriterium, im Gegenteil.

Und wo sind, liebe Schriftsteller, die Romane, die erzählen von den Verwerfungen in unserer Gesellschaft? Müssen wir die französischen, die englischen Romane lesen, wenn wir wissen wollen, wo es gärt, wo die gesellschaftlichen Wirklichkeiten aufeinandertreffen? Oder bleiben uns nur die Sachbücher, wenn wir erfahren wollen, wie uns lieb gewonnene Verhältnisse gerade allüberall abhandenkommen, ein Prozess, der schon vor Jahrzehnten ausgelöst wurde, z.B. durch das Aufkündigen des „Sozialen“ im Konzept der Sozialen Marktwirtschaft, da war noch kein syrischer Flüchtling in Sicht. Mag sich kaum mehr ein Autor auseinandersetzen mit diesen Themen, schickt er seine Protagonisten lieber auf Innerlichkeitsreisen und überlässt das weite Feld lieber den Politologen und Soziologen?

Immerhin, die meisten der nominierten Romane sind „gute“ Geschichten, und manch ein Reisender wird auch bei diesem Tun mit der Gegenwart konfrontiert und setzt sich damit auseinander. Und natürlich: Auch Innerlichkeitsreisen haben ihren Stellenwert, auch über Sinnsucher wollen wir lesen, das gehört ja zum Leben dazu. Aber die Fliehkräfte der Gesellschaft gehören eben auch dazu.

Die Shortlist, die nun heute veröffentlicht wurde, hat dann auch keine besonderen Überraschungen mehr zu bieten. So warten wir auf jeden Fall auf die nächsten Buchpreislisten und schauen, ob sich in Zukunft Autoren und Jurys offener den aktuellen Themen stellen werden. So lange bleiben ja immerhin die Sachbuchtitel.

Beitrag von: Claudia Pütz, Betreiberin des Blogs Das graue Sofa

Ernst-Wilhelm Händler: München. Gesellschaftsroman

Als Gesellschaftsroman bezeichnet Ernst-Wilhelm Händler seinen Roman im Untertitel und erzeugt damit ganz konkrete Erwartungen bei seinen Lesern: Eine Großstadt mit ihren verschiedenen Bewohnern und ihren gesellschaftlichen Verwerfungen gerate hier unter das Brennglas des Autors, so meint der Leser, wie in Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“, wie in John Lancasters „Kapital“. Nach Berlin und London nun also München, so der Romantitel.

Damit hat Händler schon einmal eine falsche Spur ausgelegt, denn in seinem Roman werden weder gesellschaftliche Unterschiede ausgelotet noch komplexe Handlungsstränge verschiedener Figuren kunstvoll ineinander verwoben. In München spielt der Roman und zeigt viel Lokalkolorit, aber er spielt nur in einer Gesellschaft, der besseren nämlich. Alle Figuren sind auf sehr viel Geld recht weich gebettet, gehen in den angesagten Münchner Shops großzügig einkaufen und zeigen mit den angesagten Modemarken, wer sie sind. Sie verkehren auf Partys von RTL-Größen, an den Kulturplätzen der Stadt oder auch beim Charity-Dinner auf Schloss Herrenchiemsee, wenn dort Prinz Franz seinen achtzigsten Geburtstag in angemessener Kulisse begeht.

HändlerMitten drin die 30-jährige Protagonistin Thaddea Klock, die sich gerade von ihrer Freundin Kata, einer ambitionierten Architektin, ein ganz besonderes Haus hat bauen lassen, eines nämlich, das nach außen vollkommen aus Glas besteht und dessen Räume, Kuben ähnlich, sich von einem Mittelhof aus in die vier Himmelrichtungen recken. Dieses Stadthaus, das Ben-Luca immer „Struktur“ genannt hat, ist ein Gebäude, das die Grenzen verwischt zwischen innen und außen. In dieser Struktur will Thaddea ihre Klienten empfangen, hier will sie ihre psychotherapeutische Praxis aufbauen, nachdem sie in der Klinik gekündigt hat. Dort hat man versprochen, ihr Patienten zu überweisen, es kommen aber nur wenige. Und wenn sich dann doch einmal ein Patient in ihre Sprechstunde verirrt – wer mag eigentlich auf solch einem Präsentierteller über seine psychischen Schrammen sprechen? -, dann verhält Thaddea sich so unprofessionell, dass der Leser am liebsten eingreifen und Thaddea zur Ordnung rufen möchte.

Thaddea nämlich ist gerade selbst ordentlich aus dem Gleichgewicht geraten, denn diese beste Freundin Kata hat sich auf einen Seitensprung mit Thaddeas Freund Ben-Luca eingelassen, ausgerechnet an einem Auktions-Abend in der Pinakothek, bei dem Thaddea nach einem langen Kliniktag früher nach Hause gegangen ist, und die beiden, eigentlich schon auf dem Heimweg, noch einmal ins Museum zurückmussten, weil Ben-Luca das ersteigerte Kunstobjekt vergessen hatte. Als Ben-Luca Thaddea schließlich die Geschichte aus der Garderobe offenbart, ist für sie sofort klar, dass sie mit beiden „abschließen“ wird, schließlich haben sie ihr Leben „zernichtet“. Und damit beraubt sie sich der einzigen sozialen Kontakte, die sie hat.

Aus dem Gleichgewicht ist Thaddea schon viel früher geraten, im wortwörtlichen Sinne, als sie als Kind ausprobiert hat, wie es sich anfühlt, wenn sie ihren Fuß unter den Reifen eines einparkenden Autos hält. Von den Schmerzen, die ihr dieses Experiment eingebracht hat, erzählt sie zunächst niemandem etwas, bis es sich Tage später nicht mehr verheimlichen lässt. Nun müssen Zehen amputiert werden und ihr Gangbild wird immer diese Versehrtheit zeigen, wenn sie sich nicht genügend konzentriert. Natürlich aber trifft sie Vorsorge, dass niemand diesen Makel entdeckt – und als sie einmal nicht umsichtig genug ist, sucht auch gleich der Patient das Weite.

Nun ist sie also alleine in ihrem schicken Haus in Grünwald, auch ein Produkt Katas, oder in der Glasstruktur und sie nimmt, um nicht völlig zu vereinsamen, die diversen Einladungen zu den Abendveranstaltungen in München an, allerdings nicht die der Reitzles, der Randlkofers und der Röschingers, denn dort könnte es sein, dass sie Ben-Luca trifft. Immerhin geht sie zu der Party eines RTL-Produzenten und lernt dort einen Schriftsteller kennen, Franz Rumpold, „kein Name, mit dem man den Deutschen Buchpreis gewann“, über sechzig, kein Mann also für eine Beziehung, denn Thaddea findet Sex bei älteren Menschen – und das sind alle, die älter sind als sie selbst – unangemessen.

Immerhin, die Unterhaltung mit dem Schriftsteller, das Nachdenken über das Beobachten und das Schreiben, bringen Thaddea zu der Idee, auch einen Roman zu schreiben, nun, da sie so viel freie Zeit hat. Und sie beginnt über einen Jungen zu schreiben, der sich fühlt, als sei er eine Maschine, der dies aber nie beweisen kann, denn alle ärztlichen Untersuchungen, selbst die Bilder beim Röntgen, lassen keinen Schluss zu, dass er nicht ein normaler Junge sei, auch wenn er genau weiß, dass irgendetwas mit ihm ist, dass er nicht richtig funktioniere. Und so beginnt er darüber nachzudenken, wie er sich verletzten könnte, dass das Innere seines Körpers von außen sichtbar werde, auch ohne die Röntgen-Strahlen. Er denkt über verschiedene Verletzungen nach, bis ihm die Idee mit dem Fahrradunfall kommt.

An einem anderen Abend besucht Thaddea die Ausstellung der Performance-Künstlerin Fleur Blankovic, in deren aufwendiger Installation im Englischen Garten die Besucher die Republikflucht nachempfinden können, wenn sie, angeleitet vom Flüchtlingshelfer am Handy und mit der Hilfe einer App, versuchen, zwischen Hundelaufanlage und Wachturm die Sperrzone zu betreten und den Metallzaun zu überwinden. Hier trifft Thaddea Pimpi, einen Freund Ben-Lucas, gutaussehend und reich, Sohn des gewichtigsten Immobilienunternehmers Münchens – und im durchaus richtigen Alter.

So zerfällt Händlers Roman in zwei Teile: Zum einen in Thaddeas Versuch nach dem Ende ihrer Liebe zu Ben-Luca und ihrer Freundschaft mit Kata, den Tod nicht als zweckmäßige Lösung zu sehen, da nun ihre „Seelensegel weder von Liebes- noch von Berufsbegeisterung“ gebläht sind. Sie ringt mit dem Innen und dem Außen, nicht zuletzt, wenn ihr die beiden Ebenen bei ihren therapeutischen Gesprächen immer wieder durcheinandergeraten, wenn die Erzählungen der Patienten nur Stichworte sind für die eigenen Assoziationen. Das Verwischen der Grenzen zwischen Innen und Außen, und natürlich auch die Frage danach, wer sie ist, das sind Motive, die sich durch den Roman ziehen, erkennbar vor allem in der architektonischen Gestalt ihres Hauses, das auch die Grenzen auflöst zwischen den Räumen im Inneren und der Natur draußen, das es ermöglicht, die Bauarbeiter auf der Straße zu beobachten, während Patienten ihre Geschichten erzähln.

Der andere Teil, der beschäftigt sich mit den Umfeld, immer dann, wenn Thaddea bei den verschiedenen Veranstaltungen die Gesellschaft Münchens trifft und diese Beobachtungen mit treffsicheren und frechen Bemerkungen würzt. Ein  Heiratsmarkt, so resümiert sie beispielsweise beim Geburtstagsevent Prinz Franz´, seien diese Veranstaltungen ja alle nicht:

„Auf dem langen und gewundenen Weg zu den Waschräumen hatte Thaddea Gelegenheit, über die Versammlung alter Männer, die ihren Zenit schon lange überschritten hatten, zu meditieren. Kein einziger CEO eines Dax-Unternehmens war vertreten, dabei hatte ein halbes Dutzend ihren Sitz in München. Auch Fehlanzeige, was richtig reiche Leute wie etwa Frau Schörghuber betraf. Es gab lediglich ein paar mittelmäßig Reiche (…). Sie Thaddea war konkurrenzlos: die einzige Frau im heiratsfähigen Alter.“

Trotz dieser spitzen Beobachtungen  springt der Lesefunke nicht über. Alle Figuren, Thaddea vor allen Dingen, bleiben dem Leser fremd, wirken, als würde er sie durch Thaddeas Glaswände beobachten. Die Gespräche mit den Patienten finden vielleicht auf einer besonderen Symbolebene statt. Wer die nicht entschlüsseln kann, dem erscheinen sie wie aus dem Zusammenhang gefallen. Auch die Gespräche mit dem Schriftsteller, in denen es ja immerhin um Literatur geht, sind befremdlich. Dass Thaddeas Gedanken und Reflexionen wirre Purzelbäume schlagen, sie in der einen Minute so entscheidet und in der anderen das Gegenteil will, ist ihr in ihrer Situation nicht zu verdenken. Die Geschichten der Patienten aber, die Pimpi ihr wohl in ihr Glashaus schickt, wecken auch nicht unbedingt des Lesers Lebensgeister, auch wenn er ahnt, dass Pimpi mit dieser Art der Kundenakquisition wohl Thaddea den Hof macht.

Vielleicht will Händler mit seinem Roman ja irritieren, weil die „Gesellschaft“ irritiert, mit ihren Events, mit ihren Problemen, mit ihren Befindlichkeiten, ihrem Konsumverhalten. Der Roman reißt aber nicht mir, bleibt kalt und fremd, hat keine besonderen Ecken und Kanten, die sich einprägen und nachhallen; nicht unbedingt ein Titel also, der es auf die Shortlist schaffen wird.

Besprechung von: Claudia Pütz, Betreiberin des Blogs Das graue Sofa


Ernst-Wilhelm Händler (2016): München. Gesellschaftsroman, Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag.

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