Philipp Winkler im Gesepräch: über eine Geschlechterquote und den fehlenden Plan B

Mit Philipp Winkler steht ein Debütant auf der Shortlist des diesjährigen Buchpreis, der mit „Hool“ einen ungewöhnlichen Roman über die Hooligan-Szene vorgelegt hat. Gerrit ter Horst hat den Roman für den Buchpreisblog besprochen und wir freuen uns, dass der Autor uns außerdem ein paar Fragen beantwortet hat.

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Copyright: Kat Kaufman

Erst einmal Glückwunsch dazu, dass du mit deinem Roman „Hool“ für den Deutschen Buchpreis nominiert bist – wie hast du von der Nominierung erfahren?

Danke schön, Mara. Ganz unaufgeregt eigentlich. Gunnar Cynybulk, Verlagsleiter bei Aufbau, hatte mir kurze Zeit vor der öffentlichen Bekanntgabe aus seinem USA-Urlaub eine Nachricht über Facebook geschrieben.

Die Freude über die Nominierung war dann wahrscheinlich groß, oder?

Schon auch, klar. Trotzdem hab ich erstmal ne Zeit gebraucht, das zu realisieren.

Der Buchpreis ist jedes Jahr wieder von vielen Diskussionen geprägt: zu wenig Frauen, zu viel alte Autoren – verfolgst du diese Diskussionen? Und wie gehst du damit um?

Nicht wirklich. Man kriegt das schon mit, aber verfolgen, tu ich es nicht. Als weißer CIS-Mann („jüngeren“ Alters) muss man ja eh fast nie mit irgendwas so wirklich umgehen. Ich finds generell schwierig. Allein schon der Anspruch Kunst (in diesem Fall eben Literatur) in Kategorien wie „beste“ zu bewerten… heikel; da es eben zu so einem großen Teil schlicht und einfach subjektive Meinung ist. Aber an sich – da kommt wahrscheinlich auch der Sportfan raus – ist das ja schon spannend und interessant: (mehr oder minder) vergleichbare Dinge in „Konkurrenz“ zu setzen und irgendwie kompetitiv gegeneinander antreten zu lassen. Man sollte dem Ganzen vielleicht nicht so eine krasse Wichtigkeit beimessen und halb ausrasten, wenn mal nicht der eigene Favorit auf der Liste steht. Über eine festgelegte Geschlechterbalance könnte man – ohne, dass ich das jetzt super lange durchdacht habe – aber vielleicht wirklich mal nachdenken. Das wäre zumindest mal einen Versuch wert, denke ich. 10 zu 10 auf der Longlist zum Beispiel. Dass persönliche Lieblingsbücher oder -autor/innen es nicht drauf schaffen, damit muss man ja eh leben, aber dann gäbe es zumindest geschlechtermäßig eine Ausgeglichenheit. Aber wie gesagt: das war jetzt ganz spontan aus der Hüfte geschossen. Man müsste ja noch viel mehr bedenken wie Proportionalitäten, Vorwürfe etwaiger Alibi-Nominierungen etc. pp.

Was bedeuten dir Preise und Auszeichnungen überhaupt beim Schreiben?

Beim Schreiben bedeuten die mir nichts. Würde ich für Preise und Auszeichnungen schreiben, hätte ich wohl vor einigen Jahren schon mit dem Schreiben aufgehört. Trotzdem freuen mich Sachen wie die Nominierung auf die Longlist riesig und es ist ja immer schön Bestätigung und Lob zu erfahren, da braucht man sich gar nichts vormachen.

„Hool“ ist dein Debütroman – wann wusstest du, dass der Text, an dem du arbeitest, das Potential hat, veröffentlicht zu werden? Und wie hast du dich dann auf die Veröffentlichung vorbereitet? Hattest du Angst, den Text aus den Händen zu geben?

Weiß ich gar nicht, ob es so einen Zeitpunkt gab; vielleicht erst als das Interesse von Agenturen kam. Auf die Veröffentlichung vorbereitet? Eigentlich gar nicht wirklich. Wüsste ich jetzt auch nicht wie speziell. Ich versuch nur trotz allem, was jetzt so passiert und auf mich zukommt – worüber und worauf ich mich sehr freue – weiterhin zum Schreiben am nächsten Roman zu kommen. Angst hatte ich überhaupt nicht. Im Gegenteil habe ich mich
drauf gefreut mal wieder mit anderen menschlichen Lebewesen drüber reden und auch zusammenarbeiten zu können.

Eine Frage, die ich mir bei deinem Buch sofort gestellt habe, war die Frage danach, wie viel dieser Geschichte autobiographisch ist und wie viel du dafür recherchiert hast? Kannst du davon ein wenig erzählen?

Autobiographisch ist schon einiges. Angefangen und am präsentesten vielleicht beim Setting. Ich bin in der Gegend Wunstorf-Hannover selbst aufgewachsen. Ansonsten habe ich aber auch damals – bevor ich überhaupt
ein Wort geschrieben habe – erstmal ein halbes Jahr nur recherchiert, auch wenn ich, für jemanden außerhalb der Hooligan-Szene, eh schon relativ viel über das Thema wusste.

Du hast in Hildesheim Literarisches Schreiben studiert, inwieweit hat dich das, was du dort gelernt hast, beim Schreiben beeinflusst?

Ich glaube ganz genau könnte ich das erst reflektieren, wenn noch ein paar Jahre ins Land gegangen sind. Ich habe ja erst 2015 meinen Master gemacht, ist also noch nicht so lang her. Was ich mit großer Sicherheit sagen kann, ist, dass ich mich (bzw. mein Schreiben) ohne das Studium in Hildesheim nicht annähernd so schnell entwickelt hätte… vielleicht würde ich heute sogar was ganz anderes machen und gar nicht schreiben, wer weiß.

Wie fühlst du dich überhaupt als junger Autor im Literaturbetrieb? Ist Schreiben das, was du für immer machen möchtest? Ist Autor dein Wunschberuf? Oder gibt es auch einen Plan B?

Noch sehe ich mich gar nicht so richtig im Betrieb. Weiß deshalb auch nicht wie ich mich da fühlen soll. Vielleicht ändert sich das nach der Veröffentlichung von „Hools“, vielleicht auch nicht. Ich denke schon, dass es das ist. Jedenfalls seh ich noch lange kein Ende in Sicht. Wobei ich mich aber auch nicht ausschließlich auf Romane beschränken will (die jedoch schon so als Primärrichtung einschätzen würde). Kommt eh immer eher auf den Stoff an, den man behandelt und mit dem man sich beschäftigt. Der sollte sich im Idealfall selbst seine Form suchen. Ich denke, Autor ist mein Wunschberuf, ja. Einen Plan B gibts schon länger nicht mehr. Vielleicht sollte ich darüber mal wieder nachdenken… ehh, mach ich morgen oder so.


Philipp Winkler: Hool. Aufbau Verlag, 2016. 310 Seiten, 19,95€.

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1 Comment

  • Reply
    jancak
    17. Oktober 2016 at 13:23

    Interessant, das ist ja das Buch, das mir wahrscheinlich in meiner Buchpreisbloggersammlung fehlen wird und daher weiß ich so gar nicht, wie groß die Chancen heute Abend sind!

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