Deutscher Buchpreis: Ein Blick auf die Zahlen

10 Fakten über den Deutschen BuchpreisNachdem Constanze vergangene Woche bereits einen Blick auf die wichtigsten Fakten rund um den Deutschen Buchpreis geworfen hat, schaue ich mir heute nochmal die Zahlen und Statistiken an – bevor es dann bald mit den ersten Besprechungen losgehen wird! In diesem Jahr wird der zwölfte Buchpreisgewinner bekannt gegeben, damit jährt sich ein Preis zum zwölften Mal, der von Anfang an nicht nur begrüßt wurde, sondern auch immer umstritten gewesen ist. Ins Leben gerufen wurde er, um einen hochrangigen deutschsprachigen Literaturpreis zu schaffen – vergleichbar mit dem Man Booker Prize. Doch über den Sinn des Preises und die Auswahl der Bücher wurde von Beginn an diskutiert und auch in diesem Jahr reißen diese Diskussionen nicht ab. Der Journalist Wolfram Schütte sprach dem Deutschen Buchpreis sogar ab, ein Buchpreis zu sein – im Endeffekt sei er lediglich ein Marketingpreis. Es wird auch immer wieder darüber diskutiert, ob genug Frauen auf der Longlist vertreten sind. Ich habe mir aus diesem Grund mal ein paar Zahlen und Daten rund um den Deutschen Buchpreis angeschaut und bin dabei zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

#1. Alte Bekannte auf der neuen Liste: In diesem Jahr stehen insgesamt 10 Wiederholungstäter auf der Longlist. Bodo Kirchhoff, Ernst-Wilhelm Händler, Katja Lange-Müller, Dagmar Leupold, Sibylle Lewitscharoff, Thomas Melle, Joachim Meyerhoff, Arnold Stadler, Peter Stamm und Thomas von Steinaecker standen bereits schon einmal oder sogar mehrmals auf der Longlist.

#2. Verkürzte und verlängerte Longlist: 2006 war das einzige Jahr, in dem 21 Romane nominiert gewesen sind, während 2008 das einzige Jahr war, in dem nicht 20 Titel auf der Longlist standen, sondern lediglich 19. Peter Handke war mit seinem Roman Die morawische Nacht nominiert worden, verzichtete aber auf die Nominierung, um seinen jüngeren Kollegen und Kolleginnen das Feld zu überlassen.

Ich freue mich für ‘Die morawische Nacht’ auf der Buchpreisliste. Aber ich möchte zugunsten der anderen Gelisteten, vor allem der jüngeren, zurücktreten, samt Respekt vor der ehrenwerten Jury.

#3. Frauenfrage: Auch wenn man das Gefühl haben könnte, dass die Frauen immer zu kurz kommen – auch in diesem Jahr wurden nur fünf Frauen nominiert – haben mehr Frauen den Buchpreis gewonnen als Männer. Was für eine Leistung! Das auffällige Fehlen der Frauen muss übrigens kein Versäumnis der jeweiligen Jury sein, sondern ein Problem, das bereits viel früher beginnt: in einigen Verlagshäusern scheinen einfach weniger deutschsprachige Frauen publiziert zu werden, als Männer.

Männer und Frauen

Geschlechter

#4. Erscheinungstermin: Ebenso spannend wie die Frage nach Männern und Frauen ist auch immer die Diskussion, ob Frühjahrsbücher vernachlässigt werden bei der Nominierung, weil die Herbstbücher bessere Chancen haben. Wenn wir mal einen Blick auf die Statistik werfen, dann wird deutlich, dass es vor allen Dingen der August zu sein scheint, der gute Nominierungschancen verspricht. Das Phänomen, dass ein Buch aus dem Vorjahr nominiert wurde, ist übrigens bisher eine Seltenheit und nur vereinzelt vorgekommen.

Monat

#5. Wie dick sollte es sein: Und wie schaut es eigentlich mit der Seitenzahl aus? Haben die dicken Wälzer bessere Chancen oder vielleicht doch eher die schmalen Bücher? Die Eindeutigkeit der Ergebnisse hat mich dann doch überrascht: die dicksten Bücher haben auch die besten Chancen – bisher hat zumindest noch kein Buch den Deutschen Buchpreis gewonnen, das weniger als 225 Seiten hat.

Dicke oder dünne Bücher

Seitenzahl

#6. Die Jungen und die Alten: Auch der Blick auf das Alter der teilnehmenden Autoren ist interessant – es sind zwar deutlich mehr ältere Autoren nominiert, doch dafür gehören die jüngeren Autoren auch immer wieder zu den Preisträgern.

Die Jungen und die Alten

Alter

#7. Fazit: „Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ – ihr kennt sicherlich alle diesen berühmten Satz, dennoch glaube ich, dass einem der Blick auf Zahlen und Daten auch manchmal spannende Dinge verraten kann. Vieles mag nur Zufall sein, bei anderen Punkten kann man zumindest klare Tendenzen erkennen. Was schließen wir daraus? Sollten nun nur noch Bücher im August und mit mehr als 313 Seiten veröffentlicht werden? Klar ist, dass Verlage sich keinen Buchpreisträger schnitzen können – dennoch wünsche ich viel Freude bei weiteren Gedankenspielen!

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1 Comment

  • Reply
    jancak
    30. August 2016 at 13:30

    Diese Statistik ist interessant, denn auf meinen Bücherstapeln liegen auch noch ein paar alte Nominierungen und ich möchte den Arno Geiger auch noch heuer lesen, wenn ich mit dem doppelten Buchpreisbloggen https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/08/13/buchpreisgeplauder/ fertig bin.
    Im letzte Jahr habe ich ja das erste Mal alle Bücher gelesenhttps://literaturgefluester.wordpress.com/2016/08/21/das-literaturpreis-archiv/ und war da sehr erstaunt, daß da soviele dicke dabei waren. Heuer scheint das anders zu sein, denn diem die ich schon gelesen habe https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/08/30/mein-vater-war-ein-mann-am-land-und-im-wasser-ein-walfisch/, waren eher kurz, allerdings hat mir der Postbote heute auch zwei dicke „Fischer-Bücher“ ins Haus gebracht.
    Ich finde den „Buchpreis“ spannend, auch wenn man damit nur einen kleinen Einblick der Jahresproduktion bekommt, aber einen solchen bekommt man und gerade heuer dürfte die Bandbreite wieder sehr weit sein!
    Lebe Grüße und schönes Lesen, bin schon sehr gespannt auf eure Besprechungen!

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