Zehn interessante Fakten zum Buchpreis

Seit 2005 gibt es den Deutschen Buchpreis. 2014 beging er sein zehnjähriges Bestehen. Diese Zeit ist nicht nur geprägt von zahlreichen Büchern und Autoren. Interessante Informationen und Ereignisse begleiten ihn. Nach einem Blick ins weltweite Netz gibt es an dieser Stelle zehn Fakten.

10 Fakten über den Deutschen Buchpreis (2)

1)  „Wiederholungstäter“

In der Reihe der Autoren, die alljährlich mit der Bekanntgabe der Longlist, der späteren Shortlist und des glücklichen Gewinners ins Rampenlicht treten, tauchen regelmäßig „alte Bekannte“ auf. Zu den Schriftstellern, die dreimal nominiert wurden, zählen: Michael Köhlmeier („Abendland“, 2007, Shortlist; „Madaly“, 2010, Longlist; „Zwei Herren am Strand“, 2014, Longlist),  Thomas Glavinic („Das bin doch ich“, 2007, Shortlist; „Das Leben der Wünsche“, 2009, Longlist; „Das größere Wunder“, 2013, Longlist) und Thomas Hettche („Woraus wir gemacht sind“, 2006, Shortlist; „Die Liebe der Väter“, 2010, Longlist; „Pfaueninsel“, 2014, Shortlist). Zweimal nominiert waren unter anderem: Martin Mosebach, Thomas Lehr, Reinhard Jirgl, Rolf Lappert und Jenny Erpenbeck.

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2) Geliebt und gemieden

Es gibt Autoren, die genießen es, den Deutschen Buchpreis zu erhalten. Andere wiederum scheuen ihn sogar. Für Schlagzeilen sorgte im vergangenen Jahr Ralf Rothmann, als er bekanntgab, dass sein Roman „Im Frühling sterben“ nicht in das Rennen um den Preis gehen soll. 2008 hatte bereits Peter Handke auf eine Nominierung für sein Werk „Die morawische Nacht“ verzichtet. Laut einem Bericht von FAZ-Literaturredakteur Andreas Platthaus entzieht sich Christoph Ransmayr in diesem Jahr dem Wettbewerb: Sein neuer Roman „Cox“ soll erst nach der Preisvergabe in den Buchhandel kommen, so sein Wunsch; voraussichtlicher Erscheinungstermin: 27. September (S. Fischer).

3) Frauenquote mehr als erfüllt

PicMonkey CollageMehr Frauen als Männer haben in der Vergangenheit den Deutschen Buchpreis erhalten. Sechs ausgezeichnete Autorinnen stehen fünf geehrten Autoren gegenüber. Das sind Katharina Hacker („Die Habenichtse“ 2006), Julia Franck („Die Mittagsfrau“ 2007), Kathrin Schmidt („Du stirbst nicht“ 2009), Melinda Nadj Abonji („Tauben fliegen auf“ 2010), Ursula Krechel („Landgericht“ 2012) und Terézia Mora („Das Ungeheuer“ 2014).

4) Money, Money, Money

Der Sieger des Deutschen Buchpreises kann sich über 25.000 Euro freuen. Den anderen Finalisten werden jeweils 2.500 Euro ausgereicht. Im Vergleich mit anderen Literaturpreisen läuft der Deutsche Buchpreis allerdings etwas hinterher. So bekommt der Gewinner des Österreichischen Staatspreises 30.000 Euro, der Sieger des Man Booker International Prize 62.000 Pfund und damit rund 78.000 Euro, wobei sich Autor und Übersetzer das Geld teilen. Wer mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates geehrt wird, bekommt 350.000 Dänische Kronen, das sind rund 47.000 Euro. Nur der renommierte Prix Goncourt in Frankreich erscheint da sehr bescheiden: Der Sieger erhält zehn Euro, symbolisch versteht sich. Spitzenreiter ist wie erwartet der Nobelpreis für Literatur. Wer diesen erhält, wird fast Euro-Millionär: acht Millionen schwedische Kronen und damit rund 928.000 Euro werden gezahlt. Und selbst im nationalen Vergleich steht der Deutsche Buchpreis nicht an erster Stelle: Sowohl der Goethepreis als auch der Siegfried-Lenz-Preis sind jeweils mit 50.000 Euro dotiert, beide haben allerdings auch internationalen Charakter. Gleichrangig ist da der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels mit ebenfalls 25.000 Euro als Preis für den Gewinner.

5) Wetten, dass …

Im Gegensatz zum Nobelpreis für Literatur kann auf den Sieger des Deutschen Buchpreises (noch) keine Wette abgeschlossen werden.

6) Rund um

Den Deutschen Buchpreis begleiteten in den vergangenen Jahren Publikationen und Projekte. So erschien anlässlich des zehnjährigen Bestehens 2014 das Sachbuch „Spiel, Satz und Sieg“ – mit Texten zur Preisverleihung und zur Diskussion um den Preis sowie Interviews mit Autoren. Zudem wurde gemeinsam mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und der Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels eine Wanderausstellung konzipiert. Jährlich werden zudem die Bücher der Shortlist in der englischsprachigen Literatur-Zeitschrift „New Books In German“ auszugsweise veröffentlicht. Des Weiteren werden alljährlich in einer Broschüre Leseproben aus den Titeln der Longlist zusammengestellt.

7) Top-Secret

Sehr bekannt sind die Regularien zum Deutschen Buchpreis:  Verlage können bis zu zwei Romane aus dem aktuellen Programm oder auch künftige Titel ins Rennen schicken. Eigenbewerbungen von Autoren sind indes nicht gestattet. Jene Titel, die eingereicht wurden, es aber nicht auf die Longlist schaffen, werden nicht veröffentlicht und bleiben geheim.

8) Die Entscheider 

Apropos Regularien: Dazu zählt auch die Anzahl der Jury-Mitglieder und die Zusammensetzung des Gremiums. Insgesamt sieben Männer und Frauen entscheiden über die Vergabe. Die Jury wechselt jährlich und setzt sich aus Buchhändlern, Kritikern und Autoren zusammen. Wer in die Jury berufen wird, entscheidet die Akademie Deutscher Buchpreis unter Vorsitz des Buchhändlers Heinrich Riethmüller. Der Akademie gehören ebenfalls an: Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Prof. Monika Grütters (Staatsministerin für Kultur und Medien), Prof. Dr.  Klaus-Dieter Lehmann (Präsident des Goethe-Instituts), Michael Münch (Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Stiftung), Manfred Papst (Preisträger des Alfred-Kerr-Preises), Claudia Reitter (stellvertretende Vorsteherin im Börsenverein), René Strien (Vorsitzender der AG Publikumsverlag), Dr. Dirk Vaihinger (Vorstand des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands), Wilfried Weber (Geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Bücherstube Felix Jud)

9) Auf und Ab

Der Deutsche Buchpreis ist immer wieder von Schwankungen gezeichnet bei der Anzahl der eingereichten Bücher und der teilnehmenden Verlage. Top-Jahr bei der Anzahl der Titel ist 2013 mit 173, Flaute herrschte indes 2006 mit gerade mal 95 Titel. Mit Blick auf die Verlage stellt sich das Jahr 2011 mit 106 Verlagen heraus. Im dürftigen Jahr 2006 waren es hingegen nur 62.

10) Einer von vielen

Um noch einmal zu den Gewinnern der vergangenen Jahre zurückzukommen. Schaut man in deren Biografien ist der Deutsche Buchpreis meist nur einer vielen weiteren Literaturpreisen, mit denen sie im Laufe ihrer schriftstellerischen Karriere ausgezeichnet werden. Einer macht da indes eine Ausnahme: Frank Witzel, der Preisträger des vergangenen Jahres und Autor des Romans „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“. Zum Deutschen Buchpreis gesellt sich in seiner Laufbahn nur der Robert-Gernhardt-Preis 2012 – eben für jenes Romanprojekt. Auf seiner Homepage verweist Witzel allerdings noch auf eine weitere Auszeichnung, die es wert war, in der Vita genannt zu werden: der 2. Preis im Lesewettbewerb der Wiesbadener Volksschulen im Jahr 1964.

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9 Comments

  • Reply
    thomasmalzen
    21. August 2016 at 14:24

    Danke für die interessanten Fakten. Für mich als Neueinsteiger in die Buchpreisthematik sehr interessant.Einen Beitrag in der Art hätte ich jetzt von offizieller Seite auch erwartet. Da sich der Buchpreis ja so gerne mit dem Man Booker Prize vergleicht würde mich mal interessieren, warum es keine Kategorie für einen internationalen Roman gibt. Das wäre dann auch direkt mal Gelegenheit einen Übersetzer publikumswirksam zu ehren.

    • Reply
      Constanze Matthes
      23. August 2016 at 8:46

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Es freut mich, wenn der Beitrag interessante Informationen vermitteln konnte. Deine Anregung, auch einen Übersetzer zu ehren, finde ich gut. Es kann vielleicht auch eine Person, die sich besonders für die deutsche Literatur einsetzt. Generell denke ich, dass Übersetzer mehr Aufmerksamkeit erhalten sollten. Der Preis der Leipziger Buchmesse geht da einen sehr guten Weg und würdigt jedes Jahr einen Übersetzer. Viele Grüße

  • Reply
    jancak
    22. August 2016 at 16:40

    Da sieht man sehr plastisch, die Dominanz der Verlage beziehungsweise der großen Namen, drei Mal Glavinic, dreimal Köhlmeier etcetera und als vor zwei Jahren der „Joel Spazierer“ fehlte, waren ich und andere enttäuscht und heuer wird es vermutlich wieder so sein Köhlmeier, Gstrein, Glavinic, etcetera, ja die großen Namen ziehen und das andere geht leicht unter, daher ist es ja eigentlich sehr schön, daß es immer wieder auf den Listen Überraschungen und Namen mit denen man nie gerechnet hat, gibt, so wie voriges Jahr Kay Weyandt, den ich da für mich entdeckte.
    Daß der österreichische BP höher datiert ist, finde ich sehr spannend, da sollte man Gstrein, Glavinic, Köhlmeier ja eigentlich wünschen, daß sie ihn bekommen, aber der deutsche hat wahrscheinlich mehr Reputation, das ist wohl ein bißchen, wie bei den offiziellen versus inoffiziellen Buchpreisbloggern und für den österreichischen wünsche ich mir ohnehin die Frau Mayröcker, die ja keine Romane schreibt und eigentlich keine Kanditatin für den deutschen ist, obwohl sie ja schon einmal auf der Shortlist war.
    Spannend, spannend und zum Abschluß noch eine Frage, gibt es eigentlich keinen österreichischen Vetreter in dieser Buchpreisakademie?
    Ich hätte mir eigentlich gedacht, Benedikt Föger wäre auch darin, den sehe ich jedenfalls immer in Leipzig in der ersten Reihe sitzen, wenn der dortige Buchpreis vergeben wird, aber das ist ja eine andere Geschichte und eine andere Messe, liebe Grüße und viel Spaß beim Bloggen. Ich bin auf das diesmalige doppelte Lesen auch schon sehr gespannt!

    • Reply
      Constanze Matthes
      23. August 2016 at 8:53

      Ja, die Dominanz großer Verlage ist schon erheblich, Das sehe ich sehr ähnlich. Aber sie haben auch die großen Namen, obwohl die kleineren Verlage sehr gute Titel veröffentlichen allerdings mit mehr Liebe zur Gestaltung. Ich bin gespannt, welche Titel in diesem Jahr auf die Long- und die spätere Shortlist kommen. Ich würde mir da etwas mehr Mut wünschen bei der Entscheidung. Die Spannung hat ja heute ein Ende…. Viele Grüße .

      • Reply
        jancak
        23. August 2016 at 18:56

        Hat aber wie man sieht, diesmal nicht funktioniert, ich war von der Liste so überrascht, so daß ich sogar nachgesehen habe, ob ich jetzt wirklich auf der richtigen Seite bin! Aber inzwischen habe ich mich mit ihr angefreundet, bin neugierig und sehr gespannt auf das Lesen!

        • Reply
          Constanze
          23. August 2016 at 20:32

          Auch für mich enthält die Longlist so manche Überraschung, was dem Preis allerdings gut tut, wie ich denke. Einige mir bekannte Namen fehlen völlig. Doch Überraschungen bieten die Möglichkeit, neue Namen kennenzulernen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Das wird wahrlich eine spannende Zeit. Viele Grüße

  • Reply
    Cara
    22. August 2016 at 21:50

    Was mir an dieser Auflistung gefällt, ist, dass es eben doch einige ‚Variablen‘ gibt, die jedes Jahr für die ein oder andere Überraschung sorgen. Natürlich zeigen die Favoritenlisten, dass man eben doch irgendwie abstecken kann, was ein Buchpreiskandidat braucht, aber die Theorie mit dem prägnanten, recht knappen Titel beispielsweise wurde ja nun letztes Jahr vollends über den Haufen geworfen 🙂

    • Reply
      Constanze
      23. August 2016 at 8:57

      Das stimmt: Im vergangenen Jahr gewann ein Buch mit Umfang. Interessant finde ich bei den „Wiederholungstätern“, wie im Abstand von einigen Jahren die Autoren nicht nur ein neues Werk veröffentlichen, sondern sie auch auf die Liste der Nominierungen landen. Mal sehen, ob in diesem Jahr einer der Wiederholungstäter sogar den Preis erhält. Es gibt da ja mit Glavinic und Köhlmeier zwei mögliche Kandidaten. Viele Grüße .

  • Reply
    Deutscher Buchpreis: Ein Blick auf die Zahlen - Buchpreisblog
    30. August 2016 at 11:21

    […] Constanze vergangene Woche bereits einen Blick auf die wichtigsten Fakten rund um den Deutschen Buchpreis geworfen hat, schaue ich mir heute nochmal die Zahlen und […]

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